„Homers Heimat“

...mag als seltsamer Name für einen Webauftritt erscheinen, wo sein Gegenstand tief in einer eher dunklen und jedenfalls völlig Internet-fernen Vergangenheit liegt. Doch in diesem Titel schwingen für mich allerlei programmatische Aspekte mit, die die Absicht hinter dieser persönlichen Homepage (darum handelt es sich hier) gut zusammenfassen können.... [über diese Website]

Über die Wurzeln der monotheistischen Religionen

Warum hat Michelangelo seiner Moses-Statue Hörner aufgesetzt? „Wikipedia“ liegt bei diesem Thema leider total daneben. Aber auch Koryphäen unserer Kulturgeschichte wie Sigmund Freud zeigen eklatante Deutungsschwächen. Die Seevölkerforschung öffnet nun neue Perspektiven… [mehr].

Neue Erdbeben in Darmstadt

Zwischen dem 14. und 20. Oktober 2016 hat es in Darmstadt wieder gebebt. Zwei der insgesamt 14 Beben wiesen eine Magnitude von 2,3 bzw. 2,8 auf der Richter-Skala auf und waren deutlich spürbar, 12 weitere lagen unter der Wahrnehmungs­schwelle. Diese Beben zeigen zusammen eine Struktur, die einem früheren Bebencluster aus dem Jahre 2012 im Norden Darmstadts ähnelt. Mehr zur Erklärung hier.

Seevölkerodyssee

Seevölkergeschichte im Spiegel 28/2016 unter dem Titel: Der nullte Weltkrieg

So wie vorstehend im Ausriss wiedergegeben, titelte DER SPIEGEL im Sommer 2016 eine Geschichte über die Seevölker der ausgehenden Bronzezeit (Spiegel 28/2016 S. 100 ff). Hat es nun auch der gedruckte Spiegel nötig, wie sein Online-Krawall-Bruder mit absurden Zuspitzungen auf Leserfang gehen zu müssen? Es ist in gewisser Weise formal logisch (mehr aber auch nicht), dass vor dem zweiten und ersten Weltkrieg nur noch die Nummer 0 frei war. Aber wie will Spiegels Wissenschaftsabteilung dann den Kontinente übergreifenden Kriegszug Alexanders („des Großen“), die militärisch erworbene Herrschaft eines in den Anfängen kleinen römischen Stadtstaats über die gesamte mediterrane Welt (und noch darüber hinaus), die ebenso das Mittelmeer umgreifenden Eroberungen der Muslime oder das grauenhafte Wüten der osmanischen Horden usw. usf. einordnen? Für diese und andere Weltkriege bleiben dann wohl nur noch Dezimalbrüche zwischen 0 und 1– womit wir auch in unserer Zeit angelangt sind, in der das Datenprinzip der 0 und 1 die Herrschaft über die Köpfe übernimmt.

Krawallig und skurril („Warum hatten die Hethiter keine Toiletten?“) geht der Spiegel Report dann auch durchgängig unter dem überdrehten Titel weiter. Kritische Distanz, die man von Wissenschaft erwartet – Fehlanzeige. Da wird ein archäologischer Schaumschläger wie Eric H. Cline, der mit seinem ebenso reißerisch aufgemachten Seevölker-Buch „1177 – Der Erste Untergang der Zivilisation“ gut im Geschäft steht, zum Kronzeugen erklärt, obwohl sein Buch nur Ratlosigkeit zu bieten hat. Immerhin ist Cline schon zur Nummer 1 vorgerückt.

Die eigentliche Quelle hinter dem Spiegel-Artikel, die aber in der gedruckten Version nicht ausgewiesen wird (das war beim Spiegel auch schon mal anders), ist eine neue Website des von mir geschätzten Geoarchäologen Eberhard Zangger (deutschsprachige Version: http://luwianstudies.org/de/; zu seiner Person vgl. auf dieser Website vorerst die ältere und noch nicht mit Blick auf "Luwian Studies" aktualisierte Notiz unter homersheimat.de/personen). Zangger widmet sich nun ebenfalls dem Seevölkerthema. Wie es so seine Qualität ist, kommt er mit einer neuen, inhaltlich (nicht äußerlich) spektakulären These in die Öffentlichkeit: die Seevölker hätten sich aus luwisch-sprachigen Stämmen im westlichen Teil Kleinasiens rekrutiert.

Ich bin allerdings der Ansicht, dass Zangger insofern schief liegt (und werde das bei Gelegenheit auch noch begründen). Wo Cline sein Heil in einer von ihm nicht verstandenen hochabstrakten Theorie der Theoretischen Informatik sucht, weil er meint, die ach so komplexen (also von ihm nicht verstandenen) Geschehnisse ließen sich nur mit jener „Komplexitätstheorie“ angehen (was er dann aber nicht durchführt), verfällt Zangger ins Gegenteil: Er sucht sein Heil in monokausaler Erklärung, die zudem fast dem berühmten Flügelschlag jenes Schmetterlings ähnelt, der (nach der Chaostheorie) einen Sturm auslösen könne: Es sei nämlich der Überfall der Hethiter auf Zypern gewesen, der die Vereinigung der luwischen Kleinstatten zum Verbund der Seevölker in Gang gebracht habe.

Nach Jahren der Beschäftigung mit dem Thema „Seevölker“ weiß ich, wie falsch diese einfach gestrickte Ursachenvermutung ist. Ich behaupte aber nicht, meinerseits die wahre Erklärung gefunden zu haben und sehe es so: wir können nur Mosaiksteine zusammentragen (dazu zählen auch Zanggers Arbeiten), die Aspekte der damaligen Geschehnisse beschreiben. Angesichts der sehr fragmentarischen Quellen werden wir aber wohl nie ein vollständiges Bild zusammensetzten können.

Meine Mosaiksteine sammeln sich auf dem neu strukturierten Seevölker-Portal dieser Website.

Nach der Exkursion in Kilikien und Südostanatolien:

Resultate aus Kilikien

Der österreichische Dichter und Ilias-Übersetzer Raoul Schrott hatte die These aufgestellt, jener von seiner Person her im Grunde völlig unbekannte Dichter „Homer“ habe seine Anschauung für die Detailfülle seiner Ilias-Erzählungen in Kilikien gewonnen. Nun ist es 2015 gelungen, eine längere Reise nach Kilikien durchzuführen, auf der einige der Schrott’schen Hypothesen überprüft werden konnten.

Die Reise hatte zudem noch andere kulturgeschichtliche Akzente, die nicht mit Raoul Schrott und Homer zu tun haben, aber jedenfalls ‚mitgenommen‘ werden sollten, wenn man sich schon in einer solch vielfältigen Region mit reicher Geschichte aufhält.

Die Berichte und vorbereitenden wie vertiefenden Untersuchungen werden nun sukzessive in der Abteilung „Regionen > Kilikien“ zusammengestellt.

Da die Reise zudem einige Ziele in Südostanatolien ansteuerte, erwächst daraus auch eine neue Regionen-Abteilung auf ‚Homersheimat‘.

Interessante Dinge ohne Homer und seine Heimat:

Knallbonbons

Unter diesem Titel habe ich 2015 eine neue Rubrik eingerichtet (siehe Menu-Aufblätterung), in der ich mich hin und wieder in Themen vertiefen will, die nichts mit Homer zu tun haben, die aber für mich aus irgendeinem politischen, kulturellen, wissen­schaft­lichen oder gesellschaftlichen Grund interessant sind. Schauen Sie doch hin und wieder mal rein!

Ein mir besonders werter Beitrag zum Louvre-Ableger im nordfranzösischen Lens richtet sich an Leser, die sich für Kunst interessieren und auch die düsteren Teile deutscher Geschichte in Erinnerung halten wollen. Da ist den Gestaltern des Louvre aus meiner Sicht ein großer Wurf gelungen. Es wäre schön, wenn das den einen oder anderen zu einer Reise dorthin bewegt, auf der man auch die ebenfalls sehr besuchenswerte, nahegelegene, kleine ehemalige Bergbaustad Mons in Belgien besuchen kann, die 2015 Europäische Kulturhauptstadt war.

Und hier der direkte Link zu dieser Seite Themen > Knallbonbons.

Womit die Suche nach „Homers Heimat“ anfing:

Die „Geburt“ der Aphrodite...

... bei Hesiod, Theogonie, Verse 179 ff:

Es kam aber der große Himmel, führte die Nacht herauf, umfing die Erde voller Liebesverlangen und breitete sich ganz über sie. Der Sohn aber griff aus dem Versteck mit der linken Hand nach ihm, nahm die riesige, lange, scharfgezahnte Sichel in die Rechte, mähte rasch das Geschlecht seines Vaters ab und warf es hinter sich, dass es fortflog;...

Das Geschlecht aber, das er erst mit dem Stahl abschnitt und dann vom Land ins wogende Meer warf, trieb lange Zeit in den Wogen, und rings entstand weißer Schaum aus dem unsterblichen Fleisch; darin aber wuchs ein Mädchen. Zuerst trieb es zum hochheiligen Kythera hin, von dort dann kam es zum meerumflossenen Kypros. Heraus aber stieg die hehre, herrliche Göttin, und ringsum sprosste frisches Grün unter ihren schlanken Füßen. Götter und Menschen nennen sie Aphrodite und schaumgeborene Göttin und schönbekränzte Kythereia, weil sie dem Schaum entwuchs, Kythereia aber, weil sie nach Kythera gelangte, und Kyprosgeborene, weil sie am vielumwogten Kypros herausstieg, und geschlechtsliebend, weil sie aus dem Geschlecht ans Licht trat.

"er", der kastrierende, ist Kronos, der Sohn des von ihm kastrierten Uranus, also des Himmels, Ehemann von Gaia, der Erde, die nicht länger hinnehmen wollte, dass Uranus ihre Kinder quälte.

Aphrodite war in gewisser Weise Auslöser des troianischen Krieges, weil die Wahl des troianischen Prinzen Paris auf sie (und nicht auf die konkurrierenden Göttinnen Hera und Athene) fiel. Daraus ergab sich der Frauenraub, der Krieg ... und letztlich auch Homers Ilias. Homer sieht die Geburt der Aphrodite übrigens ganz anders, viel unspektakulärer [hier mehr zu Aphrodite]