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Querverweise:

Von den Inschriften der Festung im Pyramos-Tal Ost-Kilikiens ist – inhaltlich vorangehend – auf dieser Website mehrfach die Rede, vor allem hier:

Die Bilingue von Karatepe-Aslantaş


Übersicht:


 

1. Die Sprachen der Inschriften

Aus den Verwaltungsarchiven der Hethiter ist eine Unzahl von hethitischen Texten erhalten geblieben. Sie waren in Keilschrift auf Tontafeln gedrückt worden.  Daneben gab es die luwische Sprache, mit der hethitischen eng verwandt und im Hethiterreich vor allem in dessen Westen und Süden weit verbreitet. Im anatolisch-syrischen Bereich wurde das Luwische nicht in Keilschrift, sondern (erst später?) in einer Hieroglyphenschrift festgehalten. Ein Beispiel dieser munteren Bilderschrift mit vielen Tierköpfen zeigt Abb. 1.

Die Entzifferung dieser hieroglyphen-luwischen Texte, die  man zunächst nur in kurzen Inschriften gefunden hatte, bereitete weit ins 20. Jahrhundert hinein Probleme. Erst mit den Inschriften von Karatepe Aslantaş änderte sich das. Die dortigen Texte sind die längsten jemals in hieroglyphen-luwischer Sprache gefundenen.

Ihre besondere Bedeutung erhalten die Karatepe-Inschriften zum einen dadurch, dass die Texte in mehreren Versionen – in den umfangreichsten Passagen zumindest zweifach – nämlich sowohl im Bereich des Nord- als auch des Südtors angebracht waren und dass sie dort vor allem in einer Zweitsprache – ebenfalls zumindest doppelt – vorliegen, nämlich in phönizisch. Deshalb spricht man von der „Bilingue von Karatepe-Aslantaş“, die eine ähnliche Bedeutung hat, wie der noch etwas berühmtere Rosettastein aus Ägypten, dessen Dreisprachigkeit (Hieroglyphen, Demotisch, Altgriechisch) wesentlich zur Entschlüsselung der ägyptischen Hieroglyphen beigetragen hat (inzwischen dürften aber wohl mehr Menschen mit „Rosetta“ jene nach diesem Stein benannte, 2004 gestartete Raumsonde identifizieren, deren Landegerät Philae im November 2014 auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko aufgesetzt hat – alles sehr schön und ausführlich bei Wikipedia dokumentiert: Rosetta und Philae).

Die Bilungue von Karatepe bracht den Durchbruch bei der Entzifferung der hieroglyphen-luwischen Schrift, weil sie von der bereits bekannten phönizischen Schrift her erschlossen werden konnte. Ein Beispiel für die – linksläufige – phönizische Schrift, die als eine der ersten auf einem Alphabet basierte, zeigt Abb. 2.

Abb. 2: Kompakte zusammenhängende und bis auf den Portallöwen überspringende Beschriftung der Vorhof-Platten im Nordtor-Komplex auf der – in Eintrittsrichtung – linken Seite (Umzeichnung von NV l 1 bis 6)

 

2. Die Anordnung der Inschriften

Die Karetepe-Texte in den zwei Sprachen phönizisch und hieroglyphen-luwisch sind ganz anders angeordnet als die drei Versionen auf dem (nur als Fragment erhaltenen) Rosettastein, wo sie einfach untereinander stehen. In Karatepe stehen die linksläufigen phönizischen Texte immer (in Eintrittsrichtung) auf der linken Seite der Tor-Innenwände, sind aber sehr unterschiedlich an drei Stellen positioniert:

Abb. 3 zeigt diese Lokalitäten in vereinfachter Form:

Abb. 3: Grobübersicht über die Verteilung der Inschriften (ohne Differenzierung in Sockel- und/oder Plattenaufschriften) im Nordtor- wie Südtorkomplex. Zu letzterem gehört auch die beschriftete Baal-Statue.

 

Demgegenüber sind die Hieroglyphen-Texte ziemlich wild über viele Platten verstreut und oft auch auf Bildrelief-Platten angebracht, auf denen die Bildwerke noch etwas Platz ließen (ein kleines Beispiel zeigte bereits Abb. 1). Ansonsten werden auch die Sockel der Orthostaten intensiv für weitere Hieroglypheneinträge genutzt. Gemeinsam ist all diesen Darstellungen, dass sie auf den rechten Innenwänden der Toranlagen angebracht wurden – mit einer Ausnahme im Nordtor, nämlich auf dem Sockel des letzten linken Portallöwen und sowie auf dem Binder daneben (NK l‑11 und NK l‑12). Für die Verteilung der Hieroglyphenbilder wurde also jeder Platz genutzt, der sich noch bot, im Zweifel auch mal auf der ‚falschen‘ Seite.

 

3. Leseabschrift der phönizischen Versionen

Die Veröffentlichung der Karatepe-Inschriften in Textbuch 1985 basiert auf den drei phönizischen Fassungen. Im hiesigen 2. Abschnitt „Anordnung der Inschriften“ war bereits auf die Systematisierung dieser phönizischen Fassung nach ihren drei Fundorten  in eine A-, B- und C-Version verwiesen worden. Leider liefert die Quelle keine wirklich klare Abgrenzung, welchen Orten in den Toranlagen genau welche Textteile zuzuordnen sind und wie sie sich inhaltlich überlappen. Vorläufig sei hier daher nur eine von allen editorischen Vermerken ‚befreite‘, aber Maus-sensitiv kommentierte Version als eine Art zusammenfassende Leseabschrift wiedergegeben. Die römische Abschnitts- und arabische Zeilennummerierung der Quelle wird allerdings beibehalten und ausgewiesen. Der Herrscher von Karatepe-Aslantaş wird in dieser Quelle mit „d“ geschrieben, anders als bei Çambel mit „Azatiwata“.

Benutzungshinweis: Allen hellblau hinterlegten Stichworten sind ergänzende Informationen oder Kommentierungen zugeordnet, die bei Überschweben mit der Maus eingeblendet werden.

[I-1]   Ich bin Azitawada, WesirZur ‚;Tiefstapelei‘ bei seiner eigenen Funktion als Wesir vgl. den nachfolgenden Abschnitt 4. des Baal, Diener des
Baal, den Awarik, König der Adanaer, groß gemacht hat.
Baal machte mich den Adanaern zum Vater und zur Mutter. Ich ließ aufleben
die Adanaer. Ich breitete das Land der Ebene von Adana aus vom Aufgang der
[I-5]   Sonne bis zu ihrem Untergang. Und in meinen Tagen hatten die Adanaer alles Gute
und Vorratsfülle und Wohlstand. Und ich füllte die Speicher von Pa‘rTextbuch 1985: Pa‘r war die Residenz der Könige von Quwê und Adana. Nach Wikipedia.en war Quwê (auch Koë) ein Staat/Land in der Ebene von Kilikien mit der Hauptstadt am Ort des heutigen Adana und zwischen dem 9. und 7. Jahrhundert (Tod des assyrischen Königs Asurbanipal um 627) zumindest zeitweise ein Vasall Assyriens.
Aus diesem Land soll aber auch schon der ins 10. Jahrhundert datierte) König Salomo seine Pferde bezogen haben: „Und man brachte Salomo Pferde aus Ägypten und aus Koë, und die Kaufleute des Königs kauften sie aus Koë zu ihrem Preis... das Pferd für hundertfünfzig Silberstücke“ (I. Könige 10.28 f, identisch mit II. Chronik 1.16 f).
Die in Kilikien gezüchteten Pferde werden auch sogleich in der Inschrift des Azitawada ein Thema:
. Und ich fügte Pferd zu Pferd und Schild zu Schild und Heer zu
Heer nach des Baal und der Götter Willen. Und ich zerstörte die Räuberhöhlen
und trieb jeden Bösewicht aus, der im Lande war. Und ich richtete
[I-10] das Haus meiner Herrn mit Güte wieder auf und machte Güte zum Stamm meiner Herrn.
Und ich ließ sie auf dem Thron ihres Vaters sitzen, und ich schloß Frieden mit
jedem König. Sogar unter die Väter rechnete mich jeder König wegen meiner Gerechtigkeit und
wegen meiner Weisheit und wegen der Güte meines Herzens. Und ich baute starke Befestigungen
an allen Enden auf den Grenzen an den Orten, an denen
[I-15] böse Menschen waren, Bandenführer, von denen nicht ein Mann untertan
gewesen war dem Hause des MopsosDas „Haus des Mopsos“ als in der Ebene Kilikiens seit langem herrschende Dynastie, die auf den nach Kilikien ausgewanderten legendären griechischen Seher Mopsos zurückgehen könnte, wird in der Inschrift gleich dreimal genannt: I.16, II.15 und III.11; vgl. nachfolgende Interpretation.. Ich aber, Azitawada, legte sie unter meine Füße.
Und ich baute an jenen Orten Befestigungen, damit die Adanaer sie bewohnen
in der Ruhe ihres Herzens. Und ich unterwarf starke Länder im Untergang
der Sonne, die alle die Könige, die vor mir thronten, nicht unterworfen hatten. Ich aber,
[I-20] Azitawada, unterwarf sie. Ich ließ sie herabsteigen. Ich ließ sie wohnen
an meinen äußersten Grenzen im Aufgang der Sonne. Die Adanaer aber
[II-1]  ließ ich dort wohnen, und sie waren in meinen Tagen an allen
Grenzen der Ebene von Adana, vom Aufgang der Sonne
bis zu ihrem Untergang. Und an den Orten, welche
vorher gefürchtet waren, wo ein Mann sich fürchtete
[II-5]  auf einem Weg zu gehen konnte eine Frau in meinen Tagen allein
mit Spindeln wandern nach des Baal und der Götter Willen.
Und es war in allen meinen Tagen Vorratsfülle und Wohlstand und gutes Wohnen
und Ruhe des Herzens für die Adanaer und für die ganze
Ebene von Adana. Und ich baute diese Stadt, und
[II-10]  ich gab ihr den Namen „Azitawadja"in Karatepe Bildwerke wird die Festung „Azatiwataya“ genannt / übersetzt, denn der Baal und der RaschapTextbuch 1985: Raschap war ein nordsemitischer Gott der Unterwelt und der todbringenden Krankheit. Diese Übersetzung bekam hier den Vorzug vor „Raschap der Vögel“, weil diesem Gott in den hieroglyphen-luwischen Texten ein göttlicher „Hirschbock“ entspreche.
MS: Ein Vogel-Bezug im phönizischen Text würde aber einen interessanten älteren Bezug auf die Große Urgöttin herstellen – warum sollen die beiden Sprachen keine Varianten transportieren können?!
der
Böcke sandten mich, sie zu bauen. Und ich baute sie nach
des Baal Willen und nach des Raschap der Böcke Willen mit
Vorratsfülle und mit Wohlstand und mit gutem Wohnen und mit Ruhe des
Herzens, damit sie eine Wache sei für die Ebene von Adana und für das
[II-15]  Haus des MopsosDas „Haus des Mopsos“ als in der Ebene Kilikiens seit langem herrschende Dynastie, die auf den nach Kilikien ausgewanderten legendären griechischen Seher Mopsos zurückgehen könnte, wird in der Inschrift gleich dreimal genannt: I.16, II.15 und III.11; vgl. nachfolgende Interpretation.. Denn in meinen Tagen war es für das Land der Ebene von
Adana Vorratsfülle und Wohlstand, und es war kein Unzufriedener unter den Adanaern
in meinen Tagen. Und ich baute diese Stadt. Ihr gab
ich den Namen „Azitawadja". Ich ließ in ihr wohnen den
Baal-KrntrjschZuordnungen von Göttern zu Orten (insbesondere Tempeln) waren in der Frühgeschichte üblich und führten zur Qualifizierung eines Gottesnamens auf diesen konkreten Ort. Worauf sich jedoch die Ergänzung „Krntrjsch“ bezog, konnte laut Textbuch 1985, Fußnote 69, bislang nicht geklärt werden. und brachte Schlachtopfer dar für alle
[III-1] GußbilderWenn allen Gussbildern Opfer gebracht werden, steht dies in Beziehung zu kanaanitischen Kulten, über die schon die Bibel spricht. Im Kontext des Gottesbefehls an Moses zur Vertreibung der Kanaaniter heißt es über die Gotteskulte dieses Gegners: „So sollt ihr alle Bewohner vertreiben vor auch her und alle ihre Götzenbilder und alle ihre gegossenen Bilder zerstören“ (IV. Mose 33.52).
In der langen Abwesenheit auf dem Berg, als Moses die Gebotstafeln von Gott bekam, sei das Volk Israel von Gott abgewichen und habe den Kult der kanaanitischen Gussbilder reaktiviert, so dass Moses aufgefordert werden muss: „Mach dich auf... denn dein Volk, das du aus Ägypten geführt hast, hat sich versündigt. Sie sind schnell abgewichen von dem Wege, den ich ihnen geboten habe; sie haben sich ein gegossenes Bild gemacht“ (V. Mose 9.12).
: als Neujahrsopfer 1 Rind und zur Zeit der Aussaat
1 Schaf und zur Zeit der Weinernte 1 Schaf. Und es segne der Baal-
Krntrjsch den Azitawada mit Leben und Heil
und mächtiger Stärke über jeden König hinaus, damit der Baal-Krntrjsch
[III-5] und alle Götter der Stadt ihm, dem Azitawada, Länge der Tage und Menge
von Jahren und gutes Alter und mächtige Stärke über jeden König hinaus geben.
Und es sei diese Stadt eine Besitzerin von Vorratsfülle und von Wein, und dieses Volk,
das in ihr wohnt, sei ein Besitzer von Rindern und ein Besitzer
von Kleinvieh und ein Besitzer von Vorratsfülle und von Wein. Und in Menge möge es erzeugen
[III-10] und kraft der Menge möge es mächtig sein, und in Menge möge es dienen dem
Aziawada und dem Hause des MopsosDas „Haus des Mopsos“ als in der Ebene Kilikiens seit langem herrschende Dynastie, die auf den nach Kilikien ausgewanderten legendären griechischen Seher Mopsos zurückgehen könnte, wird in der Inschrift gleich dreimal genannt: I.16, II.15 und III.11; vgl. nachfolgende Interpretation. nach des Baal und der Götter Willen.

Wenn aber ein König unter den Königen oder ein Fürst unter den Fürsten, wenn ein
Mensch, der ein Mensch mit Namen ist, den Namen des Azitawada auslöschtHier spielt Azitawada offenbar auf Unsitten an, die unter den ägyptischen Pharaonen eingerissen waren. Die hatten die großen Tempelbildwerke und Heldenberichte ihrer Vorgänger einfach sich selbst zugeordnet, indem sie jene neben diesen Bildwerken angebrachten signierenden Kartuschen ihrer Vorgänger austieften und in die geglättete Fläche ihren eigenen Namen einmeißeln ließen. So einfach übernahmen sie die fremden Bildwerke und Tatenberichte nun zu ihrem eigenen Ruhm. Azitawada will sich durch den in seinem Text ausgesprochenen Bann vor diesem Verlust seines Ruhms und seines Andenkens schützen
auf diesem Tore und seinen Namen darauf setzt, wenn er sogar
[III-15] diese Stadt begehrt und dieses Tor herausreißt, das Azitawada
gemacht hat, oder es zu einem anderen Tor umarbeitet und seinen Namen daraufsetzt,
ob er aus Begierde herausreißt oder ob er aus Haß und aus Bosheit herausreißt
dieses Tor, so möge der Himmelsherr und EI, der Inhaber der Erde,
und der Sonnengott der Ewigkeit und der ganze Kreis der Göttersöhne jenes Königtum
auslöschen  und jenen König und
[IV-1] jenen Menschen, der ein Mensch mit Namen ist. Nur
der Name des Azitawada möge bestehen in Ewigkeit wie der Name
der Sonne und des Mondes.
[IV-13] Wenn aber ein König unter den Königen oder ein Fürst unter den Fürsten,
wenn ein Mensch, der ein Mensch mit Namen ist,
[IV-15] befiehlt, den Namen des Azitawada auf
dieser Gottesstatue auszulöschen,
und seinen Namen daraufsetzt, wenn er sogar
diese Stadt begehrt,  aber sagt: „Ich will
eine andere Statue machen", und er setzt seinen Namen darauf, und
[IV-20] die Gottesstatur, die Azitawada dem Baal-Krntjsch gemacht hat,
beim Eingang ... ....
[V-5]  ... ... Nur der Name des
Azitawada möge bestehen in Ewigkeit wie der Name
der Sonne und des Mondes.

 

4. Anmerkungen zur Interpretation der Inschriften

Wir hatten bereits gesehen, dass die festungstechnische Konstruktion der beiden Tore von Azitawadja (Karantepe-Aslantaş) aus kanaanitisch-israelischen Vorbildern der Levante entlehnt wurde. Nun zeigen sich in der Proklamation von Azitawada, Herrscher von Azitawadja, weitere Bezüge in diesen Raum: Die Götter, die auf seiner Burg wohnen, werden in Gussbildern verehrt, wie sie auch in der Levante im Gebrauch waren. Diesen Gussbildern wird geopfert.

Die kulturellen Bezüge reichen noch über die Levante hinaus bis nach Ägypten. Die dortigen Unsitten der Überprägung von Pharaonenkartuschen zur Umwidmung von Bildwerken vergangener Pharaonen auf den aktuell herrschenden Pharao machen Azitawada offenbar große Sorgen. Dem Bann solcher Praktiken sind an beiden Hauptorten des Textes  (in der phönizischen Version) – Im Vorhof des Nordtors („Text A“ / III.12 bis IV 3) wie auf der Baal-Statue hinter dem Südtor („Text C“ / IV.13 bis Ende) – markante Aussagen gewidmet. Auch die Ewigkeitsvorstellung, dass Azitawada zu den Göttern Sonne und Mond aufsteigen und so sein Name ewig bestehen wird, weist unverkennbare Ägyptenparallelen auf.

Die Rechtfertigung dieser Ewigkeitsvorstellung gründet darauf, dass Azitawada alles getan habe, was zum Wohle seines Volkes  zu richten wäre. Dessen Wohlergehen findet mehrfache Betonung (und spiegelt sich begleitend in den Bildwerken der Toranlagen). Azitawadas Proklamation zeigt auch, wie archaisch unsere Redewendung „man kann sich wieder auf die Straße trauen“ tatsächlich ist. Denn Azitawada hat durch Niederschlagung der Feinde und Befestigung des kilikischen Landes Quwê (Koë), also durch Aufrichtung einer wirksamen Staatlichkeit dafür gesorgt, dass „eine Frau in meinen Tagen allein mit Spindeln wandern konnte“ (II.5 f).

Die Zerstörung der Vorgängersiedlung von Azitawadja auf dem gegenüber liegenden, heute ‚Domuztepe‘ genannten Hügel durch die Assyrer unter Salmanassar III. lag schon um die 150 Jahre zurück, so dass es nachvollziehbar ist, wenn der assyrische Hauptfeind  keine Erwähnung findet. Seine Bedrohung war aber virulent. Das (kurze) Aufblühen von Azitawadas Reich fiel nur in eine vorübergehende Schwächeperiode der Assyrischen Imperatoren, die noch seinen Vorgänger Awarik als Vasallen hielten. Womöglich wirft die Umsiedlung der im Westen unterworfenen Völker in den Osten seines Reiches ein Licht auf diese Frontstellung, wo die Umgesiedelten eine Art Puffer gegen die assyrische Bedrohung bilden sollten (I.18 > I.20).

Bei all dem Ruhm, den die Inschriften über Azitawada verbreiten, befremdet ein wenig dessen Eingangsqualifizierung als Wezir. Nicht nachvollziehbar ist insofern die Einordnung der Textquelle in Textbuch 1985, nach der Azitawada ein Wesir „des Königs“ sei, wo doch im Text klar „Wesir des Baal“ also Diener des obersten Gottes steht. Das Textbuch holt aus der hieroglyphen-luwischen Parallelstelle sogar die Wendung „Mann meiner Sonne", interpretiert dies aber als „Mann des Königs“, statt die hier offensichtlich benannte Beziehung eines Königs mit seinem Gott zu sehen, zumal man den Text dort so ergänzt: „Ich bin Azitawada, der Mann meiner Sonne, der Diener des Wettergottes“.

Diese dienende Beziehung eines Königs zu seinem Gott hat durchaus Vorbilder im kilikischen Raum und in der gleichen Zeit. Sie wird zum Beispiel  durch ein (mangels dortiger Ausweisung geschätzt) gut 4 m hohes Relief aus Ivriz im westlichen „Rauen“ Kilikien unterstrichen, in der der (kleinere) König Warpalas (rechts) zu seinem Pflanzen- und Sturmgott (Wettergott) Tarhunza betet (Abb. 4). Dieser Tarhunza ist der gleiche Gott, der auch als Standbild hinter dem Südtor von Karatepe-Aslantaş aufgestellt war.

Außerdem heißt es im Text der Karatepe-Inschriften neben „Wesir des Baal“ ferner:  Antizawada sei Vater und Mutter der Adanaer durch Baal (I.3), dessen Name sogar so lange bestehen möge, wie die Namen der Sonne und des Mondes (V.6 f). Insofern ist Azitawada nicht nur ein König (ergänzend unterstrichen durch explizite Bezüge auf königliche Vorgänger in I.19), der von dem früheren König Awarik von Adana „groß gemacht“ wurde (I.2) und ihm dann folgte. Azitawada ist zudem ein sehr großer König (jedenfalls aus seiner eigenen Sicht), der – wie die ägyptischen Pharaonen – nach seinem Tode als Gott zu Sonne und Mond aufsteigen wird (V.6 f), denen er zu Lebzeiten noch als Wesir (des Gottes) gedient hat.

Azitawada sieht sich zudem in der Tradition des „Haus des Mopsos“, der auch noch in seine Zeit hinein herrschenden Dynastie Kilikiens. Diese Dynastie dürfte auf den legendären Sänger zurückgehen, der im Zuge der nach dem Troianischen Krieg einsetzenden griechischen Kolonisation aus Westkleinasien nach Kilikien auswanderte und dort Städte gründete.

Das „Haus des Mopsos“ wird in den Inschriften gleich dreimal angesprochen: