Seevölker auf ‚homersheimat‘

Dies war die erste Intro-Seite, die Anfang 2016 durch eine neue Home-Seite zum Seevölker-Themenkreis abgelöst wurde. Auf dieser Seite wird berichtet, wie das Interesse daran mit einer Studienreise durch Ägypten entstand.

 

Auf einer lange zurückliegenden Ägyptenreise fotografierte ich eine kleine, von Vögeln als Klo genutzte, vor einem riesigen Hieroglyphentext an einer Tempelwand platzierte Infotafel, die mir den Anstoß gab, mich mit dem Thema „Seevölker“ näher zu befassen. Diese Infotafel hatte (neben einer arabischen Version) folgenden englischsprachigen Textinhalt (eine deutsche Übersetzung poppt auf, wenn die Computermaus hier Diese Szenen zeigen Ramses III. und die ägyptischen Armeen im Kampf gegen die Seevölker – Invasoren, die über weite Teile der Mittelmeerwelt gefegt waren. Die Hauptszene zeigt die erbitterte Seeschlacht zwischen ägyptischen Schiffen (jeweils mit einem Bug in Form eines Löwenkopfes) und Schiffen der Seevölker (mit Vogelköpfen an Bug und Heck). Die ägyptischen Schiffe entern die feindliche Flotte und lassen sie kentern, während die ägyptischen Bogenschützen Pfeile über die Piraten regnen lassen. In anderen Szenen werden die gefangenen Soldaten der Seevölker in die ägyptische Armee aufgenommen und mit dem Siegel des Pharao gebrandmarkt, damit man sie erkennt, falls sie erneut rebellieren sollten. darüber schwebt.):

These scenes show Ramesses III and the Egyptian armies in battle against the Sea Peoples, invaders who swept over much of the Mediterranean world. The major scene shows the fierce naval battle between the Egyptian vessels (each with a prow in the form of lions head) and the ships of the Sea Peoples (with bird heads on the prow and stern posts). The Egyptian vessels are grappling and capsizing the enemy fleet, while Egyptian archers pour arrows into the pirates. In other scenes the captured soldiers of the Sea Peoples are inducted into the Egyptian army, and branded with the seal of pharaoh, that they might be recognizes should they rebel again.
Die Hieroglyphenwand (und die Infotafel) berichtet von einer großen Seeschlacht des Pharao Ramses III im Jahre 1177 v. Chr. Die Ägypter kämpften in Schiffen mit einem Löwenkopf-Bug, die gegnerischen Schiffe waren mit Vogelköpfen verziert. Die feindlichen Schiffe wurden geentert und zum Kentern gebracht. Weitere Szene zeigen, wie gefangene Gegner mit dem Brandzeichen des Pharaos markiert und sodann in die ägyptische Armee eingegliedert werden.

Die Infotafel bezog sich auf dies Hieroglyphengewirr (sowie ergänzende Reliefdarstellungen des Pharaos und seiner besiegten Gegner):

Ausschnitt aus der Hieroglyphenwand mit dem Bericht zur Land- und Seeschlacht der Ägypter mit den Seevölkern an der Front des 2. Pylonen, Westseite des ersten Innenhofs von Medinet Habu (Quelle: Wikipedia; Umzeichnung in Tafel 46 der Orient Institute Publications Band 8 – vgl. zu dieser Quelle die Literaturangaben im Medinet Habu-Essay auf dieser Website, PDF-Version)

 

Der französische Archäologie Gaston Maspero (1846-1916) hat angesichts dieser hieroglyphischen Textquellen die Invasoren als „Seevölker“ bezeichnet, die aus unbekannten Fernen des Mittelmeeres gekommen seien, in mehrere Wellen Ägypten angriffen, nachdem sie die Anrainer des östlichen Mittelmeers erobert, deren Städte geplündert und zerstört hatten. Erst vor Ägypten scheiterten ihre Feldzüge – in den späteren Angriffswellen scheiterten sie auch an Söldnern, die die Ägypter aus früheren „Seevölker“-Anstürmen rekrutiert hatten.

In dieser Zeit war das große Reich der Hethiter untergegangen, das über lange Zeit die Großmacht-Antipode zum pharaonischen Ägypten gespielt hatte – siehe nur die berühmte Schlacht bei Kadesh am levantinischen Orontes, der der erste große Friedensvertrag in der Geschichte mit einer Abgrenzung der Herrschaftssphären dieser beiden Großmächte folgte (er ist in Keilschrifttafeln überliefert – Bild 2012-12-21_6905]

In dieser Zeit gingen auch die blühenden Handelsstädte an der levantinischen Küste unter, allen voran die größte, um die 10.000 Menschen fassende Stadt Ugarit, aus der das erste, den Handel ungemein fördernde Alphabet (notiert in Keilschrift) nachgewiesen werden konnte.
Viel weiter nördlich am Eingang zu den Dardanellen  war ebenfalls wenig zuvor, um 1190/1180, Troia zerstört worden (Datierung Korfmann).

Auf Troias Untergang war sukzessive auch der Untergang der mykenischen Paläste gefolgt, aus denen die griechischen Troia-Angreifer gekommen waren.

Der holländische Historiker F.C.Woudhuizen hat die Herkunft dieser geheimnisvollen „Seevölker“ vor allem auf den Ägäis-Raum eingeschränkt (auch im Web verfügbar: The Ethnicity of the Sea Peoples, Rotterdam o.J.) und sie mit alten Bekannten identifiziert, die man zugespitzt so einordnen könnte: es handelt sich um die Kombattanten des Troianischen Kriegs, die nach dessen Ende, nach Troias Fall, in das Mittelmeer zurückfluteten und nicht mehr vom Krieg lassen konnten.

Meine Hypothese, der ich bei Gelegenheit hier noch detaillierter nachgehen will, ist diese:

Homers Odyssee ist eine literarische Fassung jener Geschehnisse, die in den pharaonischen Überlieferungen als „Seevölkersturm“ beschrieben sind.

Der ersteSchritt in diese Dokumentationsrichtung war ein Beitrag über das Vordringen des „Seevölkerstamms“ der „Ekwesh“ (in dem die Homer’schen Achäer gesehen werden können) auf Zypern. Hier wurde in jener Zeit ganz im Westen der Insel zunächst ein Brückenkopf gebildet („Maa“), worauf alsbald die Eroberung weiterer Städte entlang der zyprischen Südküste bis hin zur großen bronzezeitlichen Stadt Enkomi an der Ostküste folgte. Diese Geschehnisse fasst die Seite Seevölkerstädte Maa, Kition und Enkomi zusammen, auf der weitere Darstellungen in PDF-Dokumenten verlinkt sind.

Hinweise auf alles Weitere finden sich in der Anfang 2016 eingerichtetenneuen Home-Seite zum Seevölker-Themenkreis.