„Homers Heimat“

...mag als seltsamer Name für einen Webauftritt erscheinen, wo sein Gegenstand tief in einer eher dunklen und jedenfalls völlig Internet-fernen Vergangenheit liegt. Doch in diesem Titel schwingen für mich allerlei programmatische Aspekte mit, die die Absicht hinter dieser persönlichen Homepage (darum handelt es sich hier) gut zusammenfassen können.... [über diese Website]

 

Reisen? Das war einmal. 02@2021

Diese Website setzte darauf, die Ergründung unserer Geschichte und die Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart, ihrer Umwelt und Kultur in Reisen bzw. Exkursionen praktisch werden zu lassen. Das ist nun seit einem Jahr vorbei und gefährliche Viren werden uns wohl auch längerfristig nicht mehr loslassen. Wir haben unser natürliches Lebensumfeld zu sehr zerstört, wir sind zu viele geworden, wir reisten zu massenhaft in die Welt, um Konferenzen abzuhalten oder an fernen Stränden herumzuliegen und haben so dafür gesorgt, dass uns mit Viren, die vielleicht einem seltenen asiatischen Tier entstammen, mit dem wir unter ‚normalen‘ Umständen nie in Kontakt geraten wären, von einer hilflos agierenden Politik Angst und Schrecken eingejagt werden kann. Das Adverb „wohnhaft“ hat sie zum persistenten Substantiv mutieren lassen.

Nach einem Jahr Schreibstarre unternehme ich hier den Versuch, aus diesem Zustand wenigstens durch eine Reise in Erinnerungen auszubrechen. Im Ergebnis entsteht dennoch der Befund, dass kaum noch etwas zu retten ist, was wir als kulturelle Erinnerung einmal besaßen: Die „Weltsicht des Pharaos“ ist ein Trip zurück in Zeiten ungleich besserer Reisebedingungen trotz Fehlens von Handy, Auto und Flugzeug, und hinein in archäologische Befunde, die heute nicht mehr existieren.

Derweil droht jede Woche neu irgendeine Malträtierung unserer Lebenswelt. Etwa die willkürliche Reisebeschränkung auf einen 15 km-Radius, wenn irgendein gegriffener Messwert überschritten wird. Ich nehme das zum Anlass, auch in diesem Kleinraum genauer hinzuschauen. Denn im Grün regierten Darmstadt gibt es auch in einem solchen Restbewegungsraum genug galoppierenden Wahnsinn, dass einem das Material zur kritischen Abarbeitung nicht ausgeht:

Wir haben in Darmstadt einen Stadtteil, der heißt von jeher Wixhausen. Auch Wikipedia weiß nicht, woher sich dieser Name ableitet, der allerlei Deppen zu blöden Witzen animiert. Dieser Stadtteil wird von der Grün-geführten Stadtregierung hängen gelassen, wohl weil dort das geschätzte alternativ-bunte Mittelschichtwählermilieu kaum vorhanden ist. Für eine Projektgruppe der örtlichen, inzwischen über 30 Jahre tätigen Bürgerinitiative IGAB habe ich ein Konzeptpapier geschrieben, das dem Stadtteil Auftrieb geben soll:Ein Konzept für Wixhausen.

Das besagte Milieu ist so sehr in seine wohlig durchgegenderte Kuschelwelt verliebt, dass es nicht bemerkt, wie der Grüne Darmstädter Oberbürgermeister eine fundamentale Gründungsidee der Grünen substanziell verletzt: die Wachstumskritik. Wenn es irgendeinen Grund für die Überbeanspruchung der Erde und den Klimawandel gibt, dann ist es das stetig forcierte Wachstum der Wirtschaft, d.h. Wachstum an Produktmassen, Ressourcenverbrauch, Abfällen, Verpulverung fossiler Energien und Landschaftsversiegelung bei schwindender Lebenskraft der arbeitenden Menschen. Der aktuell regierende Grüne Oberbürgermeister ist in der Nachkriegsgeschichte Darmstadts derjenige, der mit Abstand die weitestgehenden Wachstumspläne zum Verbrauch der Wälder Darmstadts und seiner verbliebenen Ackerflächen und klimatischen Ausgleichsräume durch Bebauung mit Gewerbe- und Wohngebieten betreibt. Eine Aufarbeitung der Stadtgeschichte bis hin zu diesen Plänen und ihren ökologisch-sozialen Folgen verfolgt der Text „Wachstum wohin?“.

Den noch grundsätzlicheren Background hatte ich bereits vor gut einem Jahr erarbeitet. Der Text wertet drei Vorträge im Naturwissenschaftlichen Verein Darmstadt aus, die sich aus drei Perspektiven – Meteorologie, Landwirtschaft und Forst – dem Problem des kippenden Klimas zuwenden. Das Substrat ist nach wie vor aktueller denn je: „Klimanotstand“.

 

Ein wichtiger Aktivitätsbereich war für mich in den letzten Jahren der Naturwissenschaftliche Verein Darmstadt. Da sind wir regelmäßig mit 40 bis 50 Leuten in einen Reisebus gestiegen und auf Exkursion gegangen, da haben wir mit bis zu 100 Menschen (soweit sie der Vortragssaal im Hessischen Landesmuseum Darmstadt fassen konnte) Fachvorträgen gelauscht und diese kritisch diskutiert. Heute sind derartige Aktivitäten, die dieser Verein in seiner langen Geschichte seit Gründung im Jahr 1880 (mit einer Lücke in der Nazizeit) durchführen konnte, unvorstellbar geworden. Die vorbereitenden Papiere zur letzten größeren Exkursion, die 2020 in den Bayerischen Wald geplant war, konnten daher nicht in realer Anschauung münden. Gleichwohl könnten sie nützlich bleiben, wenn wir doch noch mal „Lockerungen“ durchbringen sollten, um zumindest individuell den dort literarisch gelegten Spuren zu folgen: Exkursion in den Bayerischen Wald.

Ruinen als Erinnerungsorte im Kernland der homerischen Griechen

Mykenische Paläste

Hier geht es direkt zum Portal Mykenische Paläste mit thematischen Untersuchungen, Exkursionsvorbereitungen und Reiseberichten aus der Argolis und dem Peloponnes, aus Böotien und Attika.

 

Blick vom Hera-Tempel in die argolische Ebene

Wo seid Ihr, Paläste von Agamemnon, Achilleus, Nestor und Co.,  aus denen einst die  ‚Helden‘ der Griechen in den Krieg gegen Troia aufgebrochen waren?

Der Blick vom Altar des Hera-Tempels über die weite fruchtbare Schwemmebene von Argos fällt heute auf endlose Agrumenplantagen, moderne Dörfer und den morgendlichen Dunst, der vom argolischen Golf an den Fuß der peloponnesischen Berge zieht.

Der Palast von Mykene ist am Ende dieser Ebene schnell gefunden, weil die griechische Tourismusorganisation noch jeden Besucher dorthin gelenkt hat. Aber schon in der mindestens ebenso „zyklopischen“ Festung von Tiryns  nahe dem Meer ebbt die Besuchermenge ab … und verschwindet nahezu gänzlich vor noch weniger bekannten Orten wie Lerna oder Aigina Kolonna.

Eine neue Abteilung auf ‚homersheimat‘ untersucht nun die Geheimnisse dieser Paläste, ihre Geschichte und Bedeutung. Sie ist in der Hauptnavigation unter Regionen > Mykenische Paläste eingeordnet… [Mykenische Paläste].

Die Seevölker der Pharaonen und Homers Odysseus – ihre Beziehung könnte zur Lösung eines alten Problems führen, nicht aber die Geschichten des SPIEGEL:

Seevölkerodyssee

Seevölkergeschichte im Spiegel 28/2016 unter dem Titel: Der nullte Weltkrieg

So wie vorstehend im Ausriss wiedergegeben, titelte DER SPIEGEL im Sommer 2016 eine Geschichte über die Seevölker der ausgehenden Bronzezeit (Spiegel 28/2016 S. 100 ff). Sie war krawallig und skandalisierend angelegt. Denn wenn man lange zurückliegende historische Kriege von Seeräubern im östlichen Mittelmeer mit den zwei Weltkriegen des 20. Jahrhunderts vergleicht, packt man eine ganz schwere Keule aus.

Hat die Befassung mit der Bronzezeit eine solche Zuspitzung nötig? Offenbar besteht Interesse an dieser fernen Zeit, die nicht nur von Homer und seinen Epen lebendig gehalten wird – sonst würde nicht nur der Spiegel darüber schreiben. Aber etwas mehr Abrüstung in der Befassung mit den damaligen Kriegen, Helden, Dramen und Untergängen würde guttun und die Lüftung der Geheimnisse aus jener Zeit befördern.

Das versucht jedenfalls mein Seevölkerportal auf dieser Website.

Interessante Dinge ohne Homer und seine Heimat:

Knallbonbons

Unter diesem Titel habe ich 2015 eine neue Rubrik eingerichtet (siehe Menu-Aufblätterung), in der ich mich hin und wieder in Themen vertiefen will, die nichts mit Homer zu tun haben, die aber für mich aus irgendeinem politischen, kulturellen, wissen­schaft­lichen oder gesellschaftlichen Grund interessant sind. Schauen Sie doch hin und wieder mal rein!

Ein mir besonders werter Beitrag zum Louvre-Ableger im nordfranzösischen Lens richtet sich an Leser, die sich für Kunst interessieren und auch die düsteren Teile deutscher Geschichte in Erinnerung halten wollen. Da ist den Gestaltern des Louvre aus meiner Sicht ein großer Wurf gelungen. Es wäre schön, wenn das den einen oder anderen zu einer Reise dorthin bewegt, auf der man auch die ebenfalls sehr besuchenswerte, nahegelegene, kleine ehemalige Bergbaustad Mons in Belgien besuchen kann, die 2015 Europäische Kulturhauptstadt war.

Und hier der direkte Link zu dieser Seite Themen > Knallbonbons.

Auf der Suche nach den Kupferressourcen des Homerischen Temesa

Den Hinweis auf einen Ort namens „Temesa“ legte Homer in seiner Odyssee der inkognito auftretenden Göttin Athene in den Mund. Dort könne man Kupfer gegen Eisen eintauschen – also das Metall der Bronzezeit um den troianischen Krieg, von dem Homer erzählt, gegen das für Homers Epoche selbst namensgebende Metall der Eisenzeit.

Noch immer wird heute dies Temesa oft mit dem zyprischen Tamassos identifiziert,  obwohl schon der antike Geograph Strabon darauf hingewiesen hatte, dass dies keinen Sinn macht. Strabon selbst lieferte eine andere Lokalisierung in Kalabrien. Unter Auswertung historischer wie geologischer Quellen versuche ich, einer Lokalisierung jenes Temesa näher zu kommen: Die Kupferressourcen von Temesa.

There is also an English version of this investigation (July 2019): The Copper Resources of Temesa (PDF-file).

Über die Wurzeln der monotheistischen Religionen

Warum hat Michelangelo seiner Moses-Statue Hörner aufgesetzt? „Wikipedia“ liegt bei diesem Thema leider total daneben. Aber auch Koryphäen unserer Kulturgeschichte wie Sigmund Freud zeigen Deutungsschwächen.

Aus der Befassung mit den Seevölkern eröffnen sich neue Deutungsperspektiven… [mehr].

Womit die Suche nach „Homers Heimat“ anfing:

Die „Geburt“ der Aphrodite...

... bei Hesiod, Theogonie, Verse 179 ff:

Es kam aber der große Himmel, führte die Nacht herauf, umfing die Erde voller Liebesverlangen und breitete sich ganz über sie. Der Sohn aber griff aus dem Versteck mit der linken Hand nach ihm, nahm die riesige, lange, scharfgezahnte Sichel in die Rechte, mähte rasch das Geschlecht seines Vaters ab und warf es hinter sich, dass es fortflog;...

Das Geschlecht aber, das er erst mit dem Stahl abschnitt und dann vom Land ins wogende Meer warf, trieb lange Zeit in den Wogen, und rings entstand weißer Schaum aus dem unsterblichen Fleisch; darin aber wuchs ein Mädchen. Zuerst trieb es zum hochheiligen Kythera hin, von dort dann kam es zum meerumflossenen Kypros. Heraus aber stieg die hehre, herrliche Göttin, und ringsum sprosste frisches Grün unter ihren schlanken Füßen. Götter und Menschen nennen sie Aphrodite und schaumgeborene Göttin und schönbekränzte Kythereia, weil sie dem Schaum entwuchs, Kythereia aber, weil sie nach Kythera gelangte, und Kyprosgeborene, weil sie am vielumwogten Kypros herausstieg, und geschlechtsliebend, weil sie aus dem Geschlecht ans Licht trat.

"er", der kastrierende, ist Kronos, der Sohn des von ihm kastrierten Uranus, also des Himmels, Ehemann von Gaia, der Erde, die nicht länger hinnehmen wollte, dass Uranus ihre Kinder quälte.

Aphrodite war in gewisser Weise Auslöser des troianischen Krieges, weil die Wahl des troianischen Prinzen Paris auf sie (und nicht auf die konkurrierenden Göttinnen Hera und Athene) fiel. Daraus ergab sich der Frauenraub, der Krieg ... und letztlich auch Homers Ilias. Homer sieht die Geburt der Aphrodite übrigens ganz anders, viel unspektakulärer [hier mehr zu Aphrodite]